Veröffentlicht in „Freude mit der Kleintierzucht“ 1/2026 – Fachzeitschrift für Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben, Geflügel, Ziergeflügel und Vögel
Nichtklassische Melaninkanarien
Im Laufe der Jahrzehnte traten bei den Farbenkanarien weitere Mutationen auf, die die Melaninfärbung und/oder Melaninzeichnung veränderten. Diese Mutationen treten immer nur gemeinsam mit den Farben der klassischen Melaninvögel (Schwarz, Braun, Achat, Isabell) auf und werden als nichtklassische Melaninfarben bezeichnet. Wir kennen heute zehn nichtklassische Melaninmutationen:
- – Satinet mit Satinmax
- – Pastell mit Grauflügel
- – Opal mit Mogno
- – Onyx
- – Topas
- – Phaeo
- – Eumo
- – Kobalt
- – Jaspe
- – Perla
In Verbindung mit den vier klassischen Melaninfarben und den sechs Grundfarben (Rot, Rotivoor, Gelb, Gelbivoor, Dominantweiß und Rezessivweiß) erhalten wir optisch verschieden aussehende Melaninvögel. Rechnet man noch die drei Intensitäten (intensiv, nichtintensiv, Mosaik) hinzu, kommen wir theoretisch auf weit über tausend Kombinationen der Melaninfarbschläge. Es ist also nicht leicht, bei dieser Vielfalt den Überblick zu bewahren.
Satinet, Satinmax
Bei der Mutation „Satinet“ handelt es sich um einen weiteren Verdünnungsfaktor, der eine wesentlich stärkere Reduzierung der Melanine in Dichte und Ausdehnung bewirkt, als es bei der „normalen“ Verdünnung (Achat bzw. Isabell) der Fall ist. Satinetvögel der Braunreihe (Braun und Isabell) zeigen eine schmale und unterbrochene hellbeige Zeichnung. Da das Melanin zwischen der Zeichnung nahezu vollständig verdrängt wurde, kommt die gelbe bzw. rote Lipochromfarbe oder das Weiß deutlich zur Geltung. Aufgrund der starken Melaninverdünnung haben Satinetkanarien rote Augen. Satinetvögel der Schwarzreihe (Schwarz und Achat) zeigen keinerlei Melanin im Gefieder, so dass sie den aufgehellten Vögeln ähneln.
Durch eine immerwährende Selektion auf möglichst dunkles Melanin sind in den letzten Jahren Satinetvögel entstanden, die eine durchgehende braune Zeichnung auf melaninfreiem Grund besitzen. Diese Satinmax genannten Vögel sind erst ab 2025 in der COM anerkannt.
Pastell, Grauflügel
Die Mutation Pastell bewirkt eine hellere Melanintönung des Zeichnungs- und Flächenmelanins, wobei die Farbe der Zeichnung stärker reduziert wird. Der Kontrast der Zeichnung gegenüber dem Flächenmelanin wird so verringert.
Zuchtziel bei den Pastellvögeln der Braunreihe ist, dass die Farbe der Zeichnung so weit reduziert wird, dass sie sich nicht mehr vom Flächenmelanin abhebt. Dann erhalten wir einen Kanarienvogel der rundum schokoladenbraun (Braunpastell) bzw. beigefarben (Isabellpastell) ist. Nur die intensiven Vögel zeigen noch eine schwache Zeichnung.
Bei den schwarzen Pastellvögeln kann die Reduzierung des Zeichnungsmelanins bis zu dessen vollständigen Wegfall geführt werden. Dann bleibt die Federmitte nahezu melaninfrei. Das geschieht auch in den Flügel- und Schwanzfedern, die hellgrau werden – deshalb „Grauflügel“ – und nur noch an den Federspitzen dunkelgraues Melanin haben.
Opal, Mogno
Die Opalmutation verlagert die Melaninpigmente in die Unterseite der Federn, so dass die Federoberseite deutlich heller wird und mehr blaues Licht reflektiert. Das Melanin der Opalvögel bekommt deshalb einen bläulichen Schimmer. Dieser Effekt kommt bei Vögeln der Schwarzreihe besonders gut zur Geltung.
Die Mognos sind aus Schwarzopalen selektiert worden, indem man immer wieder sehr melaninhaltige Schwarzopale und ebensolche klassische Schwarzvögel miteinander verpaarte. In der Folge gelangten die Melanine wieder mehr an die Federoberseite. Diese Vögel stechen durch ihre markante Zeichnung sofort ins Auge, jedoch geht der für Opalvögel typische bläuliche Schimmer verloren.
Onyx
Die Onyx-Mutation ist ein Allel des Opal-Faktors. Im Gegensatz zu den Opalvögeln werden die Melanine gleichmäßig auf der Federober- und Federunterseite angeordnet. Die Wirkungsweise dieser Mutation ist also ähnlich der Opalmutation, jedoch nicht in der extremen Ausprägung, wie es bei Opalvögeln der Fall ist. Zeigen die Melanine der Opalvögel einen bläulichen Schimmer, so wird bei den Onyxvögeln das Zeichnungsmelanin matter und das Flächenmelanin bekommt einen rauchigen oder rußigen Anflug.
Die Mutation Onyx bewirkt eine scheinbar stärkere Ausprägung des Flächenmelanins. Das Zeichnungs- und das Flächenmelanin laufen vielmehr ineinander über und bilden so eine weniger kontrastreiche Abgrenzung zueinander. Somit erscheinen Onyx-Kanarien dunkler als ihre klassischen Vertreter.
Topas
Die schwarzen und braunen Melanine werden beim Topas reduziert. Die noch vorhandenen Pigmente verbleiben eng am Federschaft und bilden das Zeichnungsmelanin. Der Federschaft selbst ist jedoch pigmentfrei und ist somit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Graues Flächenmelanin ist nicht mehr vorhanden. Das Flächenmelanin siedelt sich unmittelbar am Zeichnungsmelanin an, wird zum Federrand hin deutlich schwächer, verschmilzt dort mit der jeweiligen Lipochromfarbe, die dann am Federrand als deutliche Fettfarbsäumung oder weiße Säumung sichtbar ist.
Phaeo
Die Phaeo-Kanarien erhielten ihren Namen deshalb, weil diese Mutation alle schwarzen, grauen und braunen Eumelanine ausfallen lässt und nur noch Phaeomelanine gebildet werden. Diese noch vorhandenen rotbraunen Melanine liegen an den Rändern der Federn. Die nahezu melaninfreie Federmitte lässt dort die jeweilige Lipochromfarbe oder das Weiß deutlich sichtbar werden. Die dadurch entstehende geschuppte Zeichnung soll an der Stirn beginnen und sich gleichmäßig über Kopf, Rücken und Flanken hinziehen. Bei männlichen Phaeos reicht das Zeichnungsmelanin meist nicht bis zum Schnabel und bildet so eine Gesichtsmaske, die nur aus der Grundfarbe (Flächenmelanin + Lipochrom bzw. Weiß) besteht und somit dort keine Schuppung zeigt.
Phaeos können auch als Schwarz-Phaeos gezüchtet werden. Allerdings zeigt dann auch die Federmitte etwas Phaeomelanin, so dass die Schuppung nicht sehr markant ist. In Verbindung mit Achat bzw. Isabell erhält man nahezu melaninfreie Vögel.
Eumo
Vögel dieser Mutation bekamen den Namen „Eumo“, da diese Mutation nur Eumelanine in der Feder ablagern kann. Die Eumelanine des Zeichnungsmelanins werden leicht reduziert, graues und braunes Flächenmelanin wird weitgehend verdrängt. Das Zeichnungsmelanin ist etwas schmaler als bei klassischen Melaninkanarien. Der Federschaft bleibt pigmentiert und ist deshalb ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den ähnlich gezeichneten Topas-Kanarien.
Als Schauvögel sind die Schwarz-, Achat- und Braun-Eumos zugelassen. Die Isabell-Eumos unterscheiden sich kaum von den Satinetkanarien.
Kobalt
Der Kobaltfaktor bewirkt eine Zunahme der Flächenmelanine bis in die Federspitzen hinein. Damit ist er die erste und bisher einzige Mutation, die keine Verringerung der Melaninfärbung bewirkt (Plusmutation). Die Zeichnungsmelanine werden durch diesen Faktor nicht beeinflusst.
Ein weiteres Merkmal der Kobaltvögel ist, dass sich das Flächenmelanin in der Bauch- und Kloakenregion nicht abschwächt, wie es bei den Melaninkanarien sonst üblich ist. Auch die Kobaltvögel der Mosaikreihe haben keinen hellen Bauch- und Kloakenbereich, wie wir es von den klassischen Melaninmosaiken kennen, sondern sind im Brust-, Bauch- und Kloackenbereich genauso melaninreich wie an den anderen Körperstellen.
Jaspe
Diese Kanarienfarbe ist durch Einkreuzung von südamerikanischen Zeisigarten, die selbst bereits eine Mutation hatten, entstanden. Die fruchtbaren Nachkommen zeigten eine andere Melaninzeichnung als die bisher bekannten Melaninkanarien. Bei Jaspe-Kanarien wird die markante Strichelung (Zeichnungsmelanin), wie wir sie bei den meisten Kanarienfarbschlägen finden, weitgehend aufgehoben. Das Zeichnungsmelanin verlagert sich in die Federsäume und schwächt sich zur Federmitte ab. Nur der Federkiel behält seine ursprüngliche Farbe. Als Erbe der Zeisigarten bekamen die Jaspe-Kanarien einen Flügelspiegel und das Großgefieder ist – bis auf die Federspitze – melaninarm.
Da diese Mutation dominant vererbt, gibt es ein- und zweifaktorige Jaspe-Kanarien. Die zweifaktorigen Vögel besitzen deutlich weniger Melanin.
Perla
Der italienische Züchter Carlo Maria Nobili stellte im September 2015 Kanarienvögel vor, die einheitlich hellgrau waren. Das Zeichnungsmelanin ist fast vollständig verschwunden. Nur die Spitzen der Flügel und der Steuerfedern bleiben schwarz. Die Hornteile sind deutlich dunkelgrau, das Auge ist schwarz, während das Untergefieder hellgrau ist. Der Züchter nannte sie „Nero Perla“ (Schwarze Perle).
Ursache ist der Akromelanismus, der Melanine nur an den kälteren Körperteilen entwickeln lässt. An den wärmeren Körperteilen wird weniger oder gar kein Pigment gebildet. Diese Merkmale finden wir z. B. bei den Russenkaninchen und bei der Siamkatze. Die Perla-Kanarien haben nur wenig hellgraues Melanin im Gefieder. Nur die Flügel- und Schwanzspitzen zeigen deutlich Melanin und der Kopf ist etwas mehr mit Melanin durchsetzt.
Inzwischen gibt es auch Perla-Kanarien, die zusätzlich helles Zeichnungsmelanin in Form von Streifen oder Strichen haben (so genannte Typ 2). Die dunklen Spitzen des Großgefieders bleiben aber erhalten. Diese markanten Merkmale verschwinden allerdings im zweiten Lebensjahr. Noch ältere Vögel zeigen die Eigenschaft nicht mehr.
